Klanglich über jeden Zweifel erhaben präsentierte das Collegium musicum Steinfurt am Samstag und Sonntag jeweils hochkarätige Konzerte im 1774 erbauten „Musiktempel“ des Bagnos. So feiert die Konzertgalerie als bedeutende historische Spielstätte im laufenden Jahr ihren 250. Geburtstag. Für das Collegium musicum war es ein weiterer gelungener Auftritt im Rahmen ihrer beliebten Bagno-Konzerte. Der Klangkörper des Kammerorchesters und die Solistinnen sowie Solisten Susanna Alekseeva und Magdalena Dahme an der Violine, Christoph Bumm-Dawin und Erich Overhageböck an der Querflöte überzeugten in jeder Weise. Das Zusammenspiel von Streichern und Bläsern war sensibel aufeinander abgestimmt und bestach durch seine Klarheit.
Klarheit besticht
Das Collegium musicum brachte ein Stück Atmosphäre aus alter Zeit zurück, als der kunstsinnige, begeisterte Flötist Graf Karl zu Bentheim-Steinfurt (1729 – 1780) eine mit Instrumentalisten und Sängern besetzte Hofkapelle unterhielt. Man kann dem Moderator und Flötisten Erich Overhageböck nur zustimmen. Die Musikerinnen und Musiker stellten ein Programm auf die Beine, das den Geschmack des Publikums traf. Dirigentin Bettina Bartels plante das Konzert und übte wöchentlich mit dem Orchester akribisch. Wie zu hören war mit großem Erfolg.

Die Darbietungen begannen mit der Sinfonia „La Veneziana“ in D-Dur von Antonio Salieri (1750 – 1825). Salieri war zunächst als erfolgreicher Opernkomponist in Wien, Paris, München, Rom und Mailand bekannt, geriet jedoch mehr und mehr in Vergessenheit. Heute hat man ihn längst wiederentdeckt. Seine Sinfonie Veneziana ist eine Zusammensetzung von Ouvertüreteilen aus zwei Opern, wie Moderator Overhageböck erläuterte.
Inbegriff italienischer Konzertkunst
Es folgte das Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso Continuo in d-Moll, BWV 1043 von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). Es ist sein bekanntestes Doppelkonzert. Interessant die Tatsache, dass es zur Zeit seiner Entstehung, vermutlich um 1730, auch von einem „Collegium musicum“ gespielt wurde. In dem Kammerorchester mit hochtalentierten Jungmusikern saßen Bachs Söhne Carl Philipp Emmanuel und Wilhelm Friedemann. Das Stück vereint harmonisches, freundschaftliches Zusammenspiel und das energetische geladene Violinspiel der Solistinnen Alekseeva und Dahme vortrefflich. „Ab 1770 galten die Konzerte von Antonio Lucio Vivaldi (1678 – 1741) als Inbegriff italienischer Konzertkunst“, erklärte Overhageböck.

Beim Konzert für zwei Flöten, Streicher und Basso Continuo in C-Dur, RVV 533, glänzten Overhageböck und Bumm-Davin virtuos an ihren Querflöten. Das Finale des Konzertes bestritt die Aufführung der Holberg Suite in G-Dur op. 40 von Edvard Grieg (1843 – 1907). Sie ist sehr berühmt und wurde von dem norwegischen Pianisten und Komponisten 1884 anlässlich des 200. Geburtstages des dänisch-norwegischen Dichters Ludwig Holberg komponiert. Lang anhaltender Applaus belohnte das Orchester für seine fulminanten Darbietungen. Ehrengäste am Sonntag waren Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer mit Ehemann Ulrich und der Vorsitzende des Bagno-Kulturkreises, Josef Schwermann.
Text und Fotos: Rainer Nix