Ob er es wollte oder nicht, Dr. Volker Leiss stand gleich in mehrfacher Hinsicht im Zentrum dieser höchst anregenden – musikalisch wie optisch – und bemerkenswerten Aufführungen. Zu Anfang war er als wunderschön spielender und phrasierender Blockflötist und mit dem von der Dirigentin Bettina Bartels mit Geschick und Bedacht aufspielendem Collegium Musicum Steinfurt in dem Concerto in F-Dur für Blockflöte, Streicher und Basso continuo von Guiseppe Sammartini zu hören.

Die Akteure spielten sich von einem Cembalo unterstützt die komponierten Bälle gleichsam zu. Und das alles vor einer riesigen Leinwand, die zwar die Brunnen- beziehungsweise Muschelgrotte komplett verdeckte, die aber in historischen Bildern die Bezüge zu England in der Zeit der Komplettierung der Steinfurter Konzertgalerie herstellte. In dieser Zeit nämlich musizierte der viel gerühmte Oboist Sammartini unter anderem mit Georg Friedrich Händel und sein Ruf als Komponist war sicherlich auch bis „Burgsteinfurt“ gedrungen. Szenen- und ein viel mehr als nur freundlicher Abschlussapplaus zeugten von einem höchst angetanen Publikum.
„Symphonie des Münsterlandes“
Dann verstärkte sich das bestens aufgelegte und engagiert musizierende „Collegium“ um einen kompletten Bläsersatz und beleuchtete auf eine weitere bemerkenswerte Art die Fähigkeiten von Volker Leiss, der die nun folgende „Symphonie des Münsterlandes“ komponiert hatte. Da kamen die Burgen und Schlösser wirklich hörbar zu ihrem Recht genauso wie die Webstühle, die musikalisch in ihrer Arbeit von den zupfenden Streichern dargestellt wurden. Die fröhlichen Themen liefen durch alle Bläserstimmen, um auch die prägende Parklandschaft in Noten zu simulieren.

Die Friedensstadt Münster zeigte sich von ihren Schokoladenseiten und in einer besonderen Mixtur aus historischem Bildmaterial und atemraubenden Drohnenbildern der angesprochenen Szenen von Peter Russ, die die musikalischen Intentionen regelrecht anschaulich machten, ging es thematisch-kompositorisch um den „Westfälischen Frieden“.
Sehr kundig und farbenreich
Besonders ist hier hervorzuheben, dass Bettina Bartels und Sergey Myasoedov (Kontrabass) die Vorlage von Volker Leiss sehr kundig und farbenreich für Kammerorchester eingerichtet hatten. Für „die Kirsche auf der Sahne“ sorgte dann nach der Pause auch der Videokünstler Roland Busch, der die baulichen Bagno-Spezialitäten in einer animierten aber nie übertriebenen, die digitale Herkunft nicht verleugnenden, aber die Erinnerung an den großen „Vergnügungspark Bagno“ von Graf Ludwig zu Bentheim-Steinfurt und seines Sohnes Ludwig zu der erneut von Volker Leiss vor über zwanzig Jahren erdachten „Bagno-Suite“ kongenial in Bildersprache vorführte – sozusagen an den kompositorischen Vorlagen und ihrem Einfallsreichtum entlang.
Volker Leiss hatte sich zu diesem Zweck eine ganze Handvoll versierter Mitspielerinnen und Mitspieler als musikalische Freunde auf die Bagno-Bühne geholt, um von den „Kolonaden“, der „Ruineninsel“, dem „Chinesischen Salon“ und dem „See“ bis hin zu dem „Ägyptischen Turm“, dem großem „Wasserrad“ und dem „Süßen Brünnchen“, das Besondere dieses Areal (um dessen Erinnerung sich vor allem Wolfgang Lübbers immer unbeirrt bemüht) musikalisch vor Ohren und eben auch vor Augen zu führen.
Vielschichtige und farbenfrohe Komposition
Die animierten Bilder bewiesen Kenntnis, Detailtreue und Sinn für das Abbilden zumeist nur in Texten beschriebener Bauwerke und besonderen Plätze im Bagno-Wald. Eine vielschichtige und farbenfrohe Komposition verwob sich so mit den bewegten Bildern zu einer wirklich aufsehenerregenden Einheit. Die zuschauenden Zuhörer waren rundweg begeistert und ließen die Musiker erst nach der erneuten „Ouvertüre“ als Zugabe von der Bühne und später wieder ins Freie, wo sich das Wetter (am Sonntagmorgen) um zumindest trockenere Wiedergutmachung bemühte.
Text und Fotos: Martin Fahlbusch