Seit 1997 spielt das Collegium musicum regelmäßig in der Konzertgalerie. Die Konzerte des „Collegium musicum Steinfurt“ in der Bagno-Konzertgalerie haben Tradition. Seit 1997 hat das 1965 gegründete Orchesterensemble jährlich zwei Auftritte in dem historischen Konzertsaal. Vor großem Publikum bewiesen die Musizierenden jetzt wieder, dass sie sich hervorragend auf Werke vom Barock bis zur Klassik verstehen. Erich Overhageböck moderierte die Konzerte sehr informativ und pointiert. Die Orchesterleitung hatte Bettina Bartels, Ruben Link glänzte als Solist an der Gitarre. Das zahlreich erschienene Publikum belohnte die exzellenten Leistungen mit reichlich Applaus.
Barockmusik muss nicht staubig sein
Das eng mit der Musikschule Steinfurt kooperierende Orchester begann mit dem Concerto Opus 6 Nr. 9 von Arcangelo Corelli (1653 -1718). Die Komposition sei ein Meisterwerk des Wechselspiels von Solisten und dem vollen Orchester, erläuterte Overhageböck. „Corelli war der Rockstar des Barock: Sein Opus 6 prägte die Konzertform für Jahrhunderte“, so der Moderator. Das Werk werde als Beweis dafür gewertet, dass Barockmusik nicht „staubig“ sein müsse. „Sie tanzt, sie schwitzt, sie feiert.“
Fein gesponnen
Unter den Komponisten, deren Stücke in der Konzertgalerie zu Gehör gebracht wurden, fand sich auch Christopher Wilson (1874-1919). Er gilt als „musikalischer Geheimtipp“, denn sein Name findet sich nicht unter denen der ganz Großen. Der britische Komponist, der um die Wende zum 20. Jahrhundert wirkte, schrieb die „Suite für Streicher“, die das Collegium musicum hervorragend interpretierte. Seine Musik ist weder schwergewichtig noch akademisch, sondern oft fein gesponnen und mit einem Augenzwinkern versehen. Sie ist ein eleganter Gast, der pünktlich erscheint und gute Manieren hat, wie der Moderator es ausdrückte.
Durch venezianische Kanäle
Das Konzert für Gitarre und Streicher D-Dur RV 93 von Antonio Vivaldi (1675 -1741) ist ein lebendiges Gespräch zwischen Soloinstrument und Streichern. Temperamentvoll, energetisch, an anderer Stelle auch mal ruhig und fast verträumt. „Als würde man für einen Moment durch die venezianischen Kanäle treiben“, beschrieb Overhageböck. Kein Wunder, denn Vivaldi war ein Kind Venedigs.
Spanisch wurde es mit der Suite española Op. 47 Nr. 5 (Asturias) von Isaac Albéniz (1860 -1909). Es erklang eine eindrucksvolle Version für Sologitarre. Zum Schluss stand die Sinfonie Nr. 83 von Joseph Haydn (1732 -1809) auf dem Programm. Dafür vergrößerte das Collegium Musicum Steinfurt seine Orchesterbesetzung, um diese Musik, geschrieben mit Witz und Eleganz, besonders eindrucksvoll darzubieten.
Text und Foto: Rainer Nix